Fest der Taufe des Herrn

1. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr A ( B/C ) / Apg 10,34-38

Eine Predigt von Pater Gerhard T. Lagleder OSB
gehalten in St Ottilien am 8. Januar 1984

Liebe Mitchristen,

Wenn heute mit dem Fest der Taufe des Herrn der Weihnachtsfestkreis abgeschlossen wird, dann beginnt im Kirchenjahr jetzt der sog. Jahreskreis.
Im außerkirchlichen Bereich aber geht jetzt die Faschingszeit so richtig los.
Das ist eine Zeit der ausgelassenen Freude, in der wir gerne auch mal eine Maske aufsetzen, damit wir Abstand von uns selbst bekommen und in die Person eines anderen sozusagen hineinschlüpfen.
Als ich die heutige (2.) Lesung betrachtete, fiel mir ein Besinnungsplakat zum Fasching ein, das ich mal irgendwo gesehen hatte:
Es zeigte ein Gesicht, zur Hälfte von einer Maske verdeckt, und drunter stand:
"Gott schaut hinter Deine Maske!"
Genau das meint auch die heutige Lesung.
Gott schaut nicht auf die Person, predigt da Petrus.
Wörtlich müßte man (den griechischen Urtext) übersetzen:
"Gott schaut nicht auf das Gesicht", also nicht darauf, wie wir äußerlich erscheinen, nicht auf Äußerlichkeiten, ob wir Universitätsprofessor oder Hilfsarbeiter, Türken oder Deutsche, Großverdiener oder Sozialhilfeempfänger sind, sondern Gott schaut auf unser Herz (vgl. 1 Sam).
Gott schaut hinter unsere Maske.
Gott ist jeder willkommen, der ihn fürchtet, d.h. nicht, wer vor ihm Angst hat, sondern der ihn als Gott anerkennt und respektiert.
Und Gott ist jeder willkommen, der Gerechtigkeit übt, d.h. der das tut, was vor Gott richtig ist, egal was, wer oder woher er ist.
Gott kommt es also darauf an, daß die Menschen an ihn glauben und in diesem Glauben und aus diesem Glauben heraus ihr Leben gestalten und ausrichten und so zum Heil gelangen.
Weil aber das Heil nur wirksam werden kann, wenn wir im Frieden mit Gott leben, sagt die Lesung, hat Gott das Wort zu den Söhnen Israels gesandt.

"Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt" umschreibt Johannes dieses, nämlich das Weihnachtsgeheimnis.
Wie wir Menschen uns untereinander in Worten mitteilen, so hat auch Gott sich in seinem Wort uns mitgeteilt.
Dieses Wort, diese Äußerung diese Selbstmitteilung Gottes an uns ist aber kein Wort aus Buchstaben, sondern ein Mensch.
Das Wort Gottes ist Jesus Christus selbst.
Und dieses Wort Gottes, dieser Jesus Christus, so die Lesung weiter, ist der Herr aller.

"Herr" oder griechisch "Kyrios" (Wir kennen es vom Herr, erbarme dich "Kyrie eleison" ) - "Herr" ist der biblische Fachausdruck für den Messias, den von Gott gesandten Bringer des Heiles.
Jesus Christus ist also der Bringer des Heiles für alle Menschen, wirklich für alle, ohne Ausnahme.
Und damit allen Menschen der Weg zum Heil eröffnet werden konnte, hat Gott, wie in Lesung und Evangelium berichtet wird, seinen geliebten Sohn bei dessen Taufe, die wir heute feiern, mit Heiligem Geist und mit Kraft gesalbt.
D.h. Gott hat ihn dazu beauftragt, gesandt und gestärkt.
Damit hat sein unmittelbarer Heilsweg begonnen.

Drei Dinge faßt Petrus hier zusammen, die das Wesentliche an diesem Heilsweg aussagen:

  1. daß Christus umherzog, d.h.

  2. Jesus tat Gutes, d. h .

  3. Jesus heilte alle, die vom Teufel geknechtet waren, d.h.

Dieser Heilsweg Christi ist auch unser Heilsweg, denn keiner kommt zu Gott, außer durch Jesus Christus, so sagt die Hl. Schrift.

Auch wir sind getauft und tragen seither den Geist Gottes in uns,
d.h. auch wir sind von Gott beauftragt, gesandt und bestärkt, an seinem Heilswerk mitzuwirken.
Wenn das Zweite Vatikanische Konzil betont hat, daß die Kirche seit jeher und in ihrem Wesen missionarisch ist, dann heißt das nichts anderes als daß auch wir diese drei Elemente des Wirkens Jesu verwirklichen dürfen:

  1. Auch wir müssen also auf unsere Mitmenschen zugehen, egal wer, was oder woher sie sind, und ihnen so begegnen, daß unser Glaube auf sie überspringen kann.
    Unser Glaube kann aber nur zünden, wenn er selbst in uns brennt und glüht .
    Daher gilt es ihn am Feuer des Hl. Geistes immer neu zu entfachen.

  2. Auch wir sollen nicht nur von Gottes Güte reden, sondern in unseren guten Taten diese Güte erfahrbar machen

  3. Und schließlich sind auch wir gerufen, zum Heilsdienst der Versöhnung des Menschen mit Gott beizutragen, indem wir selbst die verzeihende Liebe Gottes leben, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Getauftsein ist also keine Heilsversicherung, sondern ein Heilsauftrag.

Ihn zu erfüllen, ist die große Pflicht, aber vor allem die Ehre und Würde der Getauften. Jeder Getaufte ist also ein Gesandter, ein Missionar, Sie genauso wie wir!
Dabei wünsche ich uns allen Eifer, Freude und Segen.

Amen.


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