Fest der Taufe des
HerrnLesejahr B / Mk 1,7-11
Eine Predigt von Clemens Lagleder
gehalten in Regensburg - Niedermünster und Regensburg - St. Jakob am 10. Januar
1982
Liebe Mitchristen,
Mit dem Fest der Taufe Jesu, das wir heute feiern, schließen
wir die Weihnachtszeit des Kirchenjahres ab.
Noch klingt die Freude der Heiligen Nacht in uns nach.
Christbäume und Krippe erinnern uns daran.
Oft haben wir die fröhliche, selige Weihnachtszeit besungen:
"Christ ist uns erschienen, um uns zu dienen!"
Diesen Auftrag des menschgewordenen Gottessohnes, uns zu dienen, macht die
Taufe Jesu deutlich sichtbar:
Johannes rief die Menschen zur Umkehr von ihrem sündigen Lebenswandel auf und
besiegelte die Umkehrbereitschaft durch seine Taufe mit Wasser.
"Herr, wasche ab meine Schuld, von meinen Sünden mache mich rein!",
so spricht der Priester in jeder Hl. Messe zur Händewaschung, die ihn auf
seine Taufe hinweist.
Warum aber läßt sich Jesus, der Sündelose, dann von Johannes taufen?
Er, von dem Johannes sagt, er sei nicht einmal wert, ihm den schmutzigsten,
niedrigsten Knechtsdienst, nämlich das Aufschnüren der Schuhe, zu leisten?
Die Antwort auf diese Frage gibt uns der Schlußsatz des heutigen Evangeliums, wo
Gott Vater spricht: "Du bist mein geliebter Sohn."
In diesem Satz liegt in meinen Augen der Schlüssel für das Verständnis des
göttlichen Heilswillens.
Die Liebe ist das Kennzeichen des Verhältnisses von Gott Vater zum Sohn.
Zum Wesen der Liebe gehört, daß sie die ganze Person des Schenkenden erfaßt und
sich der geliebten Person ganz zuwendet.
Mit anderen Worten: Wahre Liebe kommt aus ganzem Herzen und zielt auf die
Personmitte, das Herz des anderen ab und will dieses wieder zu neuer Liebe
entzünden.
So ist die Liebe das Prinzip des dreifaltigen Gottes.
Das unermeßlich Großartige und Schöne für uns Menschen ist, daß die Liebe nicht
nur das Verhältnis der drei göttlichen Personen untereinander kennzeichnet,
sondern, daß Gott uns Menschen diese seine Liebe zuwendet, obwohl wir darauf
weder Anspruch haben, noch dessen würdig sind.
Unsere Haltung kann nur die des Hauptmanns von Kapharnaum sein, der zum Herrn
sagte: "O Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehest unter mein Dach! ".
Die Würde von uns Menschen liegt vielmehr einzig und allein darin, daß Gott uns
seine Liebe zuwendet.
Johannes schreibt: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen
Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das
ewige Leben hat."
Über diese Hingabe Jesu schreibt Paulus in seinem Brief an die Philipper: "Er
war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er
entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war
das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum
Tod am Kreuz."
Die Selbsterniedrigung Jesu zeigt sich auch in seiner Taufe durch Johannes.
Sie ist Zeichen seiner Liebe, in der er sich mit letzter Konsequenz den Menschen
gleichmachte. Ohne selbst Sünder zu sein, reiht er sich in die Schar von uns
Sündern ein.
Und in diesem zeichenhaften Moment seiner Selbsterniedrigung offenbart Gott
seine Herrlichkeit. Gott sendet Jesus seinen Geist und spricht: "Du bist mein
geliebter Sohn, dich habe ich erwählt."
Geistsendung ist zugleich Beauftragung und Bestärkung.
Jetzt ist offenbar, daß Jesus der gottgesandte Messias, der Heilbringer für die
Menschen ist.
Johannes weist in seinem prophetischen Wort: "Ich habe euch nur mit Wasser
getauft, er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen" über das Geschehen am
Jordan hinaus.
Er weist darauf hin, daß Christus uns unsere Sünden vergibt und darüber hinaus
den Heiligen Geist sendet. Wie Gott bei der Taufe Jesu in der Sendung des
Heiligen Geistes den Heilsauftrag Jesu feierlich bekräftigt hat, so wurde denen,
die an Christus glauben, an Pfingsten der Heilige Geist gesandt und so die
Kirche, in der der Geist Gottes gegenwärtig ist, sie lenkt und stärkt, mit ihrem
Heilsauftrag begründet.
Geistsendung ereignet sich in der Kirche immer neu in jedem Sakrament als
sichtbarem Zeichen des heilschaffenden Gnadenwirkens Gottes.
Wie Jesus bei seiner Taufe den Heilsauftrag bekam, so ruft uns der in der Kirche
gegenwärtige Geist Gottes immer neu, in seinem Heilsdienst mitzuwirken.
Das heißt in erster Linie, vom Geist Gottes, der Liebe, erfüllt, die liebende
Zuwendung Gottes mit ganzem Herzen zu beantworten. Gott hat uns seine Liebe
darin gezeigt, daß sich sein Sohn für uns hingegeben hat.
Christus hat uns nicht etwas geschenkt, sondern sich selbst; er
sagt auch nicht, ich zeige euch einen Weg zum Vater, sondern: "Ich
bin der Weg."
Wenn wir also die Liebe Gottes mit ganzem Herzen beantworten, so dürfen wir
Gott nicht nur als Pflichtübung etwas geben, nach dem Motto:
Sonntagsmeßbesuch, ein paar Routinegebete und ab und zu eine Münze in den
Klingelbeutel genügen.
Die unermeßliche Liebe Gottes kann nur mit einer die ganze Person erfassenden
Antwort erwidert werden, d.h. sie muß aus meinem tiefsten Herzen kommen und ein
uneingeschränktes Ja zu ihm in der Annahme seiner Zuwendung sein.
Nie werde ich vergessen, was eine Ordensfrau, die mein bisheriges geistliches
Leben wesentlich beeinflußt hat, zu mir sagte, als ich sie vor einer wichtigen
Entscheidung fragte:
"Was glaubst du, will Gott von mir?"
Sie antwortete mit einem Wort, das mich tief traf: "Dich!"
Wie sich Jesus für uns hingegeben hat, dessen Beauftragung zu unserer
Erlösung wir heute, am Fest seiner Taufe, wo Gott ihn als den verhießenen
Messias offenbarte, feiern, muß unser Ja zu ihm uns selbst ganz und gar
betreffen.
Wenn wir bei der Gabenbereitung jeder Heiligen Messe Brot und Wein darbringen,
stellvertretend für alles, was uns die Gnade Gottes schenkt, dann sollen wir
auch unser ganzes Leben, ja uns selbst sozusagen mit auf den Altar legen.
Und dann geschieht das Unfaßbare, daß Gott die dargebrachten Gaben in Christi
Leib und Blut wandelt.
Und so wird uns verständlich, was Paulus meint, wenn er von der Kirche als dem
wunderbaren Leib Christi spricht, dessen Glieder wir, die Gläubigen, sind.
Unsere hohe Aufgabe und Würde ist es, die Sache Christi, bestärkt und beauftragt
durch seinen Geist in die Welt hinauszutragen und so wie Christus Diener seines
Heiles zu sein, denn Christ ist uns erschienen, um uns zu dienen.
Amen.
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